Nach Einführung des Euro in Spanien fielen die Zinsen und es kam vor allem im Immobiliensektor zu einem wirtschaftlichen Boom.
Kredite mit niedriger Verzinsung trieben die Bauwirtschaft und später die Immobilienspekulationen an. Mit dem Beginn der Finanzkrise, die in den USA ihren Ausgang nahm, endete auch der spekulative Boom in Südeuropa und Spanien.
Denn die finanzielle Grundlage basierte auf privaten Krediten von europäischen Banken und Sparkassen, die die Ersparnisse der Anleger z.B. aus Deutschland in spanische (Immobilien-) Hypotheken steckten. Solange die Musik spielte verdienten alle.
Doch wie dem Spiel „Reise nach Jerusalem“ auch, ist plötzlich die Musik aus und einigen Spielern fehlt ein Stuhl. Nun ist es so, dass privates Geld nicht mehr in die peripheren Staaten der Eurozone fließt.
Damit war das ganze Gebäude namens Wirtschaftswunder in Spanien, welches nach der Euroeinführung statt fand, seiner Grundlage entzogen.
Der Kollaps der Boombranchen zieht alle runter
Nicht nur, dass die zuvor florierende Immobilienwirtschaft still steht, auch die Zulieferindustrie und der Konsum sind betroffen. Die Steuereinnahmen brachen weg und trieben die Finanzierungskosten öffentlicher Schuldner an.
Die daraufhin notwendigen Einsparungen in den öffentlichen Haushalten bremsten die wirtschaftliche Aktivität nochmals ein. Der Multiplikatoreffekt der Staatsausgaben (auf die Wirtschaftsleistung) wirkt eben auch rückwärts.
Bankensystem praktisch insolvent
Die Arbeitslosenzahlen kletterten, die Immobilienpreise sackten ab und die spanischen Banken sitzen nun auf faulen Krediten.
Die „Bankia“, ein Zusammenschluss aus 7 insolventen Banken, die satte 10% aller spanischen Sparguthaben auf sich vereinigt, sitzt alleine schon auf säumigen Hypothekenkrediten in Höhe von 32 Milliarden Euro.
Und auch die lokalen Regierungen sind eigentlich bankrott. Katalonien, die größte spanische Provinz, hat einen Refinanzierungsbedarf (Verlängerung bisheriger Kredite) von 13 Milliarden Euro und langsam gehen ihr die Möglichten aus.
Die spanische Provinz Valencia muss beispielsweise 7% für Anleihen mit einer Laufzeit von 6 Monaten zahlen.
Der spanische Staat (Bürger) bürgt
Es wird wohl darauf hinaus gehen, dass der spanische Staat (also der spanische Steuerzahler) für die Anleihen der Regionen und Gemeinden haftet und die Macht zentralisiert wird. Die Regionen werden somit entmachtet.
Bei dem Bankensystem ist das schon im Laufen. Die erwähnte Bankia muss vom spanischen Staat gestützt werden. Die Vorgehensweise ist wie folgt:
Der spanische Staat zeichnet eine Kapitalerhöhung von 19 Millairden Euro, die er in spanische Anleihen (Schuldbriefe) leistet.
Die Bankia reicht diese bei der europäischen Zentralbank ein und kann damit von der EZB zu dem gegenwärtigen Refinanzierungssatz von 1% neu geschaffenes Zentralbankgeld erhalten.
Dieses neue Geld ist mit dem Vermögenswert „spanische Staatsanleihe“ gedeckt. Solange Spanien selbst nicht insolvent wird, besteht kein Problem.
Wenn Spanien aber ausfallen sollte, ist der spanische Bond aber kein Vermögenswert mehr und zumindest nicht soviel wert wie die EZB an Geld aus gereicht hat. Somit hätte sie einen Verlust.
Spanische Zinsen steigen
Der Anstieg der Zinssätze, welche die spanische Regierung selbst für ihre Anleihen berappen muss (rund 6,5 %) signalisiert, dass die Übernahmen von Lasten lokaler Regierungen und der Bankenfinanzierung das Schuldnerprofil von Spanien erheblich schwächen wird.
Die EZB, dass sind auch wir
Sollte der spanische Staat seine Schulden aus irgendeinem Grund nicht bedienen, ist der deutsche Michel, als „Groß-Aktionär“ der EZB, natürlich an den Verlusten beteiligt.
Wenn die EZB dann direkt spanische Anleihen erwirbt, um dieses Szenario abzuwenden, dann zahlen die finanzstarken Eurostaaten auch:
Durch die einseitige Verteilung des neu geschaffenen Zentralbankgeldes.
Das würde bedeuten: Die finanzstarken Staaten hätten zwar über die Inflation eine Geldentwertung zu tragen, aber der Profit aus der wachsenden Geldmenge (Geldschöpfung) käme ausschließlich den schwachen Staaten zugute.
Deshalb sind die hohen Zinsen die Spanien zahlt nicht unfair, auch wenn die EZB selbst die Anleihen kaufen würde.

