von geldweb24.de Redaktion

Die Megatrends unserer Zeit

„Deleveraging“ (Entschuldung) ist kein Modewort sondern ein Megatrend, den man als Anleger besser kennen sollte.

Mit dem Vorgang des Deleveraging wird ein allmählicher Rückgang der Verschuldung aller Sektoren der Volkswirtschaft (Haushalte, Unternehmen Staat) im Verhältnis zur gesamtwirtschaftlichen Leistung bezeichnet.

In den vergangen drei Jahrzehnten ging der Zug in die andere Richtung, die Verschuldung aller Sektoren stieg in den Industrieländern deutlich stärker als die Wirtschaftsleistung (BIP). Das dieser Trend nicht ewig laufen leuchtet Ihnen wohl intuitiv ein.

Die Grenzen der Verschuldung

Und was nicht ewig gehen kann, tut es auch nicht. Mit dem Beginn der Finanzkrise sind die entwickelten Industriestaaten an ihr Limit angekommen. Das Limit besteht schlicht aus der Schuldenfähigkeit der Schuldner und damit deren begrenzte Haftungsmasse (Collateral).

Mit den steigenden Staatschulden sind wir jetzt in der finalen Phase der globalen Schuldenausdehnung angelangt. Wenn die Staaten ihren Gürtel enger schnallen, dreht sich das Rad zurück.

Überproportional zur Wirtschaft steigende Schuldenberge haben bisher neues Geld und damit Kaufkraft (Nachfrage) generiert.

Endlose Notenbankkäufe als Gegengewicht, wie gehabt..

Wenn das Rad nun anders herumläuft, fehlt uns die aus der Zukunft geborgte Kaufkraft. Aus dem inflationären Druck  wird ein deflationärer. Dieser wird dann nur noch von Notenbanken über die Ausweitung des Zentralbankgeldes abgefedert.

Wie nachdem Schema, das wir bisher bereits kennen, werden die Notenbanken Geld erzeugen, um fehlenden Kredit zu ersetzen. Die Maßnahmen QE1, QE2 der FED und SMP, LTRO der EZB, wie sie in der Fachsprache heißen, werden eine stetige Fortsetzung finden.

Vermögenspreise sinken

Da die privaten Schuldner mehr Kredite tilgen als sie neue aufnehmen, werden Vermögenswerte von Aktien, Immobilien, Kunst etc. – alles was eben  auf Kredit gekauft wurde – mit den schmelzenden Kreditbergen billiger werden.

Die KGV`s von Aktien sinken bereits seit dem Jahr 2000. Viele globale Immobilienmärkte sind ebenfalls schon deflationiert worden (USA, Irland, Spanien etc.).

Offener Fall des Preisniveaus nur durch Notenbanken verhindert…

Der Rückgang der Bankkreditvolumina in der jüngsten Finanzkrise hätte ohne die Ausweitung der Basisgeldmenge der Notenbanken  bereits die gesamte Geldmenge schrumpfen lassen.

Die dann fallende Nachfrage hätte Preise von Gütern und Dienstleistungen gedrückt. Die Schuldenlast bestehender Kredite wäre dadurch untragbar geworden.

Die Notenbanken werden auch in Zukunft eine Schrumpfung der Geldmenge mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern. Dazu gehören Käufe jeglicher Anleihen oder gar harter Vermögenswerte wie Gold. Unter diesen Umständen ist Gold eine geeignete Wertanlage.

Die Euroschuldenkrise ist nur ein Puzzelstück…

einer systemischen Krise. Die harte Anpassung an eine Weltwirtschaft ohne aggressives Schuldenwachstum, wirkt genau wie ein Drogenentzug.

Die Symptome dieses Entzugs der Wachstumsdroge Kredit kann man derzeit in Spanien gut beobachten. Wirtschaftlicher Einbruch und  Arbeitslosigkeit sind kaum vermeidbar.

Würde die Notenbank viel rücksichtloser Anleihen aufkaufen, würde dies die Währung von der Inflationsseite (Hyperinflation) bedrohen. Eine ständig steigende Gelddosis ließe den Euro dann an einer Überdosis kollabieren.

Das Beispiel Estlands zeigt jedoch, dass es nach einer krassen Anpassungsrezession durch eine Austeritätspolitik („Gürtel-Enger-Schnallen“) auch wieder aufwärts geht.

Der harte Entzug geht einfach am schnellsten. Durch Hinauszögern können die Anpassungen auch über Jahrzehnte laufen.