von geldweb24.de Redaktion

Rohstoffanlagen taugen nicht zum Inflationsschutz

Kaum eine Frage spaltet die Wirtschaftswissenschaftler mehr: steht ein Inflations- oder Deflationsszenario bevor?

Alle Anzeichen deuten zumindest mittel- bis langfristig auf ein Inflationsszenario hin. Denn die gesteigerte Liquidität an den Märkten, welche sowohl über konzentrierte Zentralbankaktionen als auch über staatliche Hilfspakete deutlich ausgeweitet wurde, wird unweigerlich zu einem Anstieg der Inflation führen.

Kurzfristig Deflation; Langfristig Inflation

Entscheidend für die künftige Preisentwicklung ist die Ausweitung der Geldmenge. Besonders die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Investitionsanreize und die Kreditvergabebereitschaft der Banken erhöht.

Die mittelfristigen Indikatoren deuten indes auf ein Deflationsszenario hin. Denn analog zur Konjunkturenwicklung, welche erwartungsgemäß etwas gedämpfter ausfallen sollte, dürfte die Nachfrage nach Rohstoffen geringer ausfallen.

Rohstoffe waren zumindest im laufenden Jahre der hauptverantwortliche Faktor einer Preissteigerung. Fällt dieser Faktor weg, dürfte eine insgesamt stabile Preisentwicklung ersichtlich werden.

Dennoch spielt ein mögliches Inflationsszenario für viele Anleger eine wichtige Rolle. Mehrfach werden Rohstoffanlagen dabei mit einem Inflationsschutz assoziiert. Wie verschiedene Rohstoffexperten und -Analysten jedoch zusammengetragen haben, ist dieses Versprechen bisher immer in Luft aufgegangen.

Das Versprechen der Endlichkeit von Rohstoffen hatte diesbezüglich immer wieder die Fantasie steigender Preise beflügelt, übrig geblieben ist aber nichts. Schlimmer noch: Bereinigt um die Verbraucherpreise ist der weltweit älteste Rohstoffindex (CRB) seit seiner Auflage sogar deutlich gesunken.

Rohstoffanlagen für Langfristinvestments nicht geeignet

Zwar kann man durch die kurzfristigen Spekulationen auf Preisentwicklungen von beispielsweise Rohöl Geld verdienen, ein erfolgreiches Langfristinvestment ist dies aber noch lange nicht.

Der Chef des Analysehauses Lombard Street Research spricht den globalen volkswirtschaftlichen Trends und dem technischen Fortschritt eine wichtige Rolle zu, die sich sogar über die zunächst angenommene Knappheit hinwegsetzen.

So würden beispielsweise Produktivitätssteigerungen beim Anbau von Agrarprodukten im Endeffekt eine negative reale Rendite nach sich ziehen.

Auch der technische Fortschritt bei Energieträgern wie Öl würde die Renditen zumindest derzeit stabil halten. Kommt dann noch der global langfristige Lohnanstieg, der mit der Inflation einhergeht, können die realen Rohstoffpreise nur sinken.

Auch das Argument, die Ölquellen würden eines Tages versiegen, hatte in der Vergangenheit nicht zu deutlichen Preissteigerungen geführt. “In den vergangenen 5 Jahrhunderten kam dieses Argument regelmäßig auf”, so der Chefökonom des Londoner Beratungshauses Longview Economics.

Man darf dennoch nicht außer Acht lassen, dass eine immer dynamischere Zunahme der Weltbevölkerung die Preisentwicklung von Rohstoffen nach oben treibe. Auch bei den Agrargütern ist ein Preiszuwachs zu beobachten, der bestimmte Preisniveaus nicht mehr unterschreitet.

Dieser Prozess entwickelte sich in den letzten Jahren stetig, geht aber noch zu langsam voran. So gesehen, kann man mit der alten Annahme von Rohstoffinvestments als Inflationsschutz aufräumen. In diesem Zusammenhang waren die Aktien die weitaus bessere Investitionsform.