von geldweb24.de Redaktion

Sinkende Zinsen, Steigende Aktienkurse

Gestern hat die EZB als Antwort auf die Euro-Krise und düster werdenden Konjunkturaussichten eine historische Entscheidung getroffen: der Leitzins wurde auf 0,75 Prozent gesenkt und damit erstmalig unter ein Prozent.

Auch wenn der Zusammenhang einer verbesserten Konjunkturlage bei Senkung der Leitzinsen sicherlich eine Rolle dabei gespielt hat, so ist das Hauptargument der aktuellen Zinssenkung eine beabsichtigte Entlastung der Banken.

Besonders für spanische Banken ist die Zinssenkung als quasi Subvention zu verstehen. So können sich diese mit vergleichsweise billigem Geld refinanzieren.

Auf der anderen Seite erhofft man sich aber auch, dass mehr ausstehende Kredite zurückbezahlt werden. Denn für die Kreditnehmer bedeutet eine Zinssenkung auch eine Verbilligung ihrer Schulden.

Nachdem die EZB im letzten Jahr noch der damaligen guten Konjunkturstimmung und den Inflationsängsten Tribut zollte und die Zinsen von 1,0 % auf 1,5 % angehoben hatte, ist die gestrige Leitzinssenkung ein weiterer Schritt einer Trendumkehr.

Vielmehr ist es aber eine Abkehr von den Prinzipien der EZB. Denn die Europäische Zentralbank hat primär ihren Fokus auf die Preisstabilität gelegt.

Abschied von der Preisstabilität?

Mit dem gestrigen Zinsschritt wird aber sichtbar, dass für die EZB aktuell eine stabile Konjunkturlage wichtiger ist als eine niedrige Inflation.

Denn die niedrigeren Leitzinsen verbilligen gemäß Theorie die Kredite und kurbeln somit die Investitionen einer Volkswirtschaft an. Somit wirkt sich ein niedriges Leitzinsniveau belebend auf die Wirtschaftsentwicklung aus.

Niedrige Zinsen haben gleich 2 positive Effekte auf Aktienkurse

Aktionäre profitieren gleich zweifach von niedrigen Zinsniveaus: Einerseits müssen die Unternehmen – sofern deren Kredite kurzfristiger Natur sind und damit schnelle Zinsanpassungen ermöglichen – weniger für die Aufnahme von Fremdkapital bezahlen.

Letztendlich steigert dies die Gewinne, was sich dann auch im Unternehmenswert widerspiegeln dürfte.

Auf der anderen Seite hat ein niedriger Zins auch eine bewertungsrelevante Auswirkung. Denn im Rahmen des so genannten DCF (Discounted Cash Flow)-Modells spielt der risikolose Zins eine wichtige Rolle.

Dabei gilt die Faustformel: Je niedriger der Zins ausfällt, desto höher ist der Wert der abdiskontierten zukünftigen Cashflows.

Auch wenn Privatinvestoren von diesem Modell keinen Gebrauch machen, so ist diese Herangehensweise bei institutionellen Investoren und Analysten weit verbreitet und akzeptiert.

Die meisten Kursziele, die von Analysten veröffentlicht werden, basieren auf diesem Modell. Demnach müsste die aktuelle Zinsanpassung, bei sonst unveränderten Erwartungen der Cashflows, automatisch zu einer Kurszielerhöhung führen.

Bevor sich jedoch die positiven Auswirkungen der Leitzinssenkung entfalten, werden nach Griechenland auch Spanien und Italien das Marktgeschehen zunächst stark beeinflussen.

Erst wenn wieder Ruhe einkehrt, sollten die Aktienkurse erneut geringere Volatilitäten aufweisen und den Wert der Unternehmen wiedergeben.