Trotz der drakonischen Sparmaßnahmen in Griechenland, fehlt es der griechischen Regierung Vorn und Hinten an Mitteln um ihre Ausgaben zu bestreiten.
Nach Berechnungen der Bank of America fehlen dem griechischen Staat allein im Monat Juli 400 Millionen Euro! Die anderen europäischen Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) werden den Griechen auf keinen Fall unbegrenzt Kredit gewähren.
Die Gläubiger erwarten, dass der griechische Staatshaushalt langfristig so ausbalanciert wird und dass alle zukünftigen Zinszahlungen auch bedient werden können.
Folgen des politischen Erdrutsches
Nun hat die gescheiterte Regierungsbildung den mühsam gezimmerten Finanzierungsplan für Griechenland in Frage gestellt. Der IWF hat alle Zahlungen bis zu den Neuwahlen am 17. Juni eingestellt.
Auch die EZB vergibt keine Kredite mehr an die vier großen griechischen (insolventen) Banken, solange diese vom Staat nicht wieder mit neuem Kapital ausgestattet werden.
Sollte das Linksbündnis „Syriza“ als Sieger hervorgehen, dürfte Griechenland der „Eurohahn“ zugedreht werden.
Der griechische Staat und die griechischen Banken würden nicht mehr an Euros rankommen. Die Regierung wäre dann zahlungsunfähig, weil deren Ausgaben in Euro höher sind als die Steuereinnahmen in Euro.
Greek Exit – „Grexit“ – der provisorische Austritt Griechenlands aus dem Euro
Das Greek Exit-Szenario – kurz „Gexit“ genannt – wird von Banken und Investoren längst durchgerechnet. Dies könnte so aussehen:
Das Finanzministerium kann dann entweder einfach die Zahlungen an Gläubiger und Bürger zum Großteil einstellen/kürzen oder diese einfach mit einer neuen selbsterzeugten Einheit – meinetwegen Noteuros genannt – leisten.
Was nichts anderes wäre als eine neue Drachme, nur dass die Absicht des Provisoriums betont würde.
Über Nacht werden alle Konten in Griechenland auf Noteuro umgestellt, alle Staatsbediensteten, Arbeitslose usw. bekommen dann nur noch den neuen Noteuro. Der Noteuro ist dann nicht mehr 1:1 in echte Euros tauschbar. Wer sollte auch feiwillig seine Euros 1:1 gegen Drachme hergeben?
Sobald sich die Lage im Land beruhigt hat, wird der Noteuro, um seinen Wert zu ermitteln, an den Währungsmärkten eingeführt. Dort würde sich der Tauschwert wohl schnell bei 30-40% des echten Euros einpendeln.
Argumente für einen Exit
Ein paar Jahre später, wenn die griechische Wirtschaft durch die neue Wettbewerbsfähigkeit floriert, könnte der griechische Noteuro wieder an den Euro gekoppelt werden. Eine ermöglichte Abwertung der Griechischen Währung wäre der schnellste Weg die griechische Ökonomie wieder zu beleben.
Im Falle einer Abwertung oder eines offen griechischen Bankrotts erleiden viele Gläubiger (Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Investoren) Wertverluste.
Entweder Währungsverluste oder echte Insolvenzverluste. Somit ist klar, dass die Bankenwirtschaft dem „Grexit“ etwas skeptisch gegenübersteht. Es wird das Bild einer gefährlichen Ansteckung für andere Eurostaaten an die Wand gemalt.
Diese These könnte genauso falsch sein wie die Dominotheorie, die den Vietnamkrieg rechtfertige. Nach dem schmachvollen Abzug aus Vietnam sind eben nicht alle Staaten in Asien kommunistisch geworden.
Eine Lösung des Griechenland-Problems könnt gar zu Zuversicht bei Investoren beitragen. Mir scheint, dass alle privatwirtschaftlichen Spieler einen offenen Bankrott oder einen „Grexit“ längst antizipieren. Er wäre keine große Überraschung mehr.

